… bei der Stallvisite am 26. Januar 2017

Pro Vieh Anlass „Knackpunkte in der Transitphase“

13 Bäuerinnen und Bauern haben sich am 26. Januar 2017 auf dem Rütihof in Nennigkofen eingefunden. Somit war die Besucherzahl gegenüber den 45 Milchkühen deutlich in der Minderheit. Ein grosser Wagenschopf dient als eingestreute Liegehalle, zwei Futterraufen bieten Heu und Silage ad libitum. Der Anbindestall erfüllt seine Aufgabe zwei Mal am Tag als Melk-Platz. Ansonsten befinden sich die Tiere im Laufstall oder auf der Weide.

Die Familie Patrick Schluep bewirtschaftet den 57 ha grossen Betrieb in einer Personengemeinschaft mit der Familie Markus Furrer. Ein Angestellter hilft bei der Arbeitsbewältigung des Ackerbau- und Milchwirtschaftsbetriebes.

Patrick legt bei den Kühen Wert auf Langlebigkeit, gute Bemuskelung und eine geringe Zellzahl. Der Stalldurchschnitt liegt bei 6‘000 kg / Kuh.

Der FiBL-Tierarzt Christoph Notz erklärte, dass die heikle Transitphase zwei Wochen vor dem Abkalben bis drei Wochen danach stattfindet. Diese Zeitspanne ist sehr wichtig hinsichtlich Fruchtbarkeit und Tiergesundheit. Die PowerPoint-Präsentation hat allen die wichtigen Fütterungszusammenhänge in Erinnerung gerufen. Sehr eindrücklich dabei war das Bild der Fettleber. So sollte dieses Organ niemals aussehen!

Anhand praktischer Uebungen im Anbindestall, konnten die Teilnehmenden vier Kühe beurteilen. Wieviele Körperreserven hat das Tier? Die Körper-Konditions-Beurteilung BCS (Body Condition Scoring) kann da aufschlussreich sein. Mit BCS können die Energiereserven der Kuh eingeschätzt werden. Übermässige Körperreserven wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Bauen die Milchkühe in der Spätlaktation und der Trockenstehzeit zu viele Körperreserven auf und sind vor der Geburt zu fett, kann dies zu Problemen bei der Kalbung und zu Stoffwechselstörungen führen. Solche Kühe nehmen nach der Geburt weniger Futter auf. Sie zehren von den Körperreserven, bauen auch, bedingt durch die hohe Milchleistung, Körperfett ab und neigen in Folge dessen zu Leberbelastungen und Ketose (Azetonämie). Diese Belastungen können Folgeerkrankungen, wie z.B. Fruchtbarkeitsstörungen, nach sich ziehen.

Durch regelmässige Körper-Konditions-Beurteilungen während der Laktation und der Trockenstehzeit lässt sich der Verlauf des Nährzustandes der Tier gut erkennen. Besonders wichtig ist der Vergleich der BCS-Werte im Zeitraum der Geburt mit jenen nach 60 Laktationstagen.

Folgende Erkenntnisse wurden beim gemütlichen Imbiss in die Runde gegeben:

  • Bei der Fütterung ist das Energie-, Eiweiss- und Rohfaserzusammenspiel wichtig
  • Die negative Energiebilanz der Milchkuh dauert 7 bis 15 Wochen rund um die Abkalbung. Eine falsche Fütterung legt hier den Grundstein für spätere Produktionskrankheiten und senkt die Lebensdauer der Kuh, was sehr schade ist. Eine Kuh erreicht erst im Alter von 8 Jahren ihren Leistungs-Zenit.
  • Jeder Betrieb muss für sich die ideale Kuh „züchten“. Welche Kuh passt zu meinem Bio-Fütterungskonzept? Die flexible, robuste, „durchschnittliche“ Grundfutterkuh ist ein sicherer Wert.
  • Künstliche Besamung KB: KB-Stiere werden nicht unter „normalen Umständen“ aufgezogen, die Zahlen in den Katalogen sind eher „verfälscht“ unter diesen Voraussetzungen. Mit den CH-Bio-Kleeblatt-Stieren fährt man am besten, weil es sich nicht um amerikanische Top-Stiere aus Stallhaltung mit intensiver Kraftfutter-Fütterung handelt.

Wir danken der Familie Schluep an dieser Stelle für Ihre Gastfreundschaft, insbesondere den angenehm geheizten Aufenthaltsraum und den feinen Imbiss.

Bericht: Marianne Jaggi


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