Besuch bei Lukas und Daniela Rediger in Binningen

Der Hof St. Margarethen liegt zusammen mit der St. Margarethenkirche auf einem steil abfallenden Stück des Bruderholz-Höhenzugs. Rund 60 interessierte Besucher haben sich Ende Mai 2018 zum Flurgang bei der Familie Rediger eingefunden und zu Beginn sicher den einmaligen Panoramablick auf die Stadt Basel genossen.

Alle sieben Pachthöfe der Einwohnergemeinde Basel werden ökologisch geführt. Lukas und Daniela Rediger haben sich per 1. Januar 2018 entschieden, ihren Vollerwerbsbetrieb nach den Knospe-Richtlinien zu führen. Lukas erläuterte, dass es absolut nicht logisch war, dass er den Pachtbetrieb von seinen Eltern übernehmen konnte. Er durchlief eine gut zwei Jahre andauernde Bewerbungsphase und ist froh, dass seine Familie den Zuschlag bekam.

Da sich die Schreibende während dem Beginn des Flurganges noch auf einer andauernden Fahrt durch das wunderbare Baselbiet befand (Waldenburg, Reigoldswil, Himmelried, Grellingen, etc. sind sehr hübsche Dörfer) und zu spät eintrudelte, kann sie erst ab Stallbesichtigung berichten.

Beim Eintreffen im Futtergang des Offenlaufstalles setzte der Regen und etwas Hagel ein. Die interessierte Gruppe erfuhr „am Schärme“, dass Lukas Rediger letzten Winter den Melkroboter entfernt und durch einen Melkstand (2 x 7 Plätze) ersetzt hat. Die Kosten für den Melkstand wurden von Redigers übernommen. Von den 70 Kühen werden aktuell 55 gemolken, 15 sind galt. Die Verpächterin hat grosszügig Hand geboten und die Gebäude-Aenderungen und zusätzlich ein Offenstall-Element mit Futterlager gebaut. Die Abkehr vom Melkroboter ist in der Umstellung zum Biohof begründet. Zum einen werden die Bio-Kühe nicht mehr die vorherige Milchleistung (9‘000 kg) erbringen. Zum anderen ist es durch die Betriebslage schwierig, den ständigen Zugang von der Weide zum Melkroboter zu gewährleisten. Die Kühe sollen viel fressen und das Raus-Programm erfüllen? Das ist schwierig umzusetzen. Natürlich hat es Überwindung gekostet, den Roboter zu entfernen. Redigers sind aber nach wie vor vom Entscheid überzeugt. Beim Melken im Melkstand, die jeweils eine Stunde dauert, sieht man mehr weil man näher beim Tier ist. Die Zellzahlen sind gegenüber der Roboter-Melkung gesunken, was ein schöner Nebeneffekt ist. Die Milch wird vom Milchkäufer Mooh abgeholt und als Umstellungsmilch mit Fr. –.49 pro kg bezahlt.

Lukas Rediger hat begonnen seine Holstein-Kühe mit bewährten SF-Stieren zu decken. Tiere mit sehr hoher Milchleistung werden mit einem Simmentaler-Stier belegt. Das Ziel ist eine Reduktion der Milchleistung und dass die robusteren Tiere länger leben. Lukas Rediger ist sehr gespannt auf die ersten Kreuzungsresultate. Beim Aufstallungs-System sieht er noch Verbesserungspotenzial. Mit den Hochboxen ist er nicht sehr glücklich, da die Kühe schnell verschmutzt sind. Tiefboxen wären diesbezüglich besser. Änderungen gehen aber schnell ins Geld.

Redigers sind eine engagierte Pächterfamilie und sich der Rolle als Bauern in einer städtischen Agglomeration bewusst. Der 60 ha Betrieb liegt in der Naherholungszone der Stadt Basel. Hier ist der Produzent dem Kunden sehr nahe. „Weshalb bleibt das Kälbli nicht bei der Mutter?“ „Wieso haben die Kühe keine Hörner?“ Die Redigers sind sich gewohnt, auf solche Fragen zu antworten. Lukas erwähnt, dass er wegen der vielen Tauben von der Stadt eine Abschussbewilligung hat. Dass er von dieser Lizenz nicht Gebrauch macht, erklärt sich von selbst. Das käme bei den Passanten wohl nicht gut an, meint Lukas mit einem Augenzwinkern. Dann werden Redigers auch immer wieder mal vom Veterinärdienst besucht, weil ein Spaziergänger „etwas gesehen hat“. Die Überwachung funktioniert, es kann also gar nichts passieren 😉

Bei den Fragen zur Fütterung erläutert Lukas Rediger, dass momentan noch 50 % Mais gefüttert werden, weil es der Vorrat 2017 zulässt. Der Betrieb verfügt über ein 2‘100 m3 Fahrsilo. Eine Heubelüftung besteht nicht. Der Standort des Betriebes ist prädestiniert für Sommertrockenheit. Deshalb ist eine trockenheitsresistente Futtermischung gefragt. Der Futtermais wurde dieses Jahr mit dem Geo-Hummel direkt eingesät. Die Saatbeet Bereitung in der Kunstwiese war tadellos. Die Arbeit ging aber sehr, sehr  l a n g s a m  vor sich. Das Tempo der Maschine war gewöhnungsbedürftig.

Der Duft einer feinen Bratwurst hat uns alle vom Stall in das Tenn gelockt. Bei Speis und Trank konnte das Erlebte rege diskutiert werden. Die Familie Rediger betreibt neben der Landwirtschaft eine Besenbeiz, die in den Sommermonaten die Städter „auf den Berg“ lockt. Die Eltern von Lukas haben das „Schellenursli“ vor rund 30 Jahren lanciert. Für die Arbeitsbewältigung wird jeweils ein Küchenteam angestellt. Diese Personen werden im Winter auf einem Nachbarhof, der Fondue anbietet, weiterbeschäftigt. Clever! Im umgebauten Schober, umgeben von Bruchsteinwänden, Riemenböden, Strohballen und Kronleuchtern lässt sich über den Dächern von Basel gediegen und romantisch dinieren. Hier werden frische Produkte vom Hof angeboten. Fleisch, Erdbeeren und Grünspargeln kommen bei den Gästen sehr gut an. Wer mag, kann auf dem Heimweg noch einen Blick in den Stall werfen und am Milchautomaten seine Zmorge-Milch abzapfen. Hier wird vorbildlich Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft geleistet. Kompliment!

Wir danken an dieser Stelle für den spannenden Einblick in den Umstellungsbetrieb und sind überzeugt, dass sich die Knospe hier wunderprächtig machen wird. Der jungen Familie wünschen wir mit dem herumrennenden und nahenden Nachwuchs alles Gute. Schön, durften wir bei Euch zu Gast sein.

Im Namen des Vorstands Bio NWCH, Marianne Jaggi


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