… am 16. Mai 2018 bei Riggenbachs in Solothurn

Mit viel Herzblut und Begeisterung beschrieb Christian Riggenbach vor dem Gehege die Haltung und das Wesen seiner Original Eringer-Mutterkuhherde. Die gut 30 Teilnehmenden liessen sich von Christian und seinen Rindern gerne vereinnahmen. Eringer sind sehr neugierig, bewegen sich ohne deutlich ersichtliches Leittier meist in der Gruppe und sind trotz ihrem Hang zu Rangeleien sehr umgänglich.

Einen hügeligen Teil innerhalb der Weide haben die Tiere mit ihren Hörnern kürzlich genüsslich umgegraben. Während Christians Ausführungen haben ein paar Jungtiere diese Arbeit noch weitergeführt. Nichtsdestotrotz setzen Riggenbachs auf diese Rasse. Sie sind ein Alleinstellungs-merkmal des Hofes. Das Fleisch der Tiere wird in der Direktvermarktung und in der Hofgastronomie erfolgreich abgesetzt. Während der Sommermonate sind die Tiere auf einer Tessiner Alp zu Hause. Die winterliche, saisonale Abkalbung ermöglicht das Wachsen der Herde unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Augenzwinkernd bemerkt Christian, dass es früher, bei Weide-Kalbungen, zu Irritationen bei Spaziergängern kam… Diese scheuchten den Bauern bei einer Arbeit mit der Mitteilung auf, dass bei einer Kuh was hinten raus hängt und dieser sofort alles stehen und liegen lassen zu habe!

Die Stadtnähe ist ein Thema bei einem Hof, wie dem der Familie Riggenbach. Spaziergänger beobachten den Betrieb mit anderen Augen. Sie verwandeln Feldränder in Spazierwege, lassen Hunden z.T. freien Lauf und gelangen mit „herausfordernden“ Beobachtungen an den Bauern. Einige fühlen sich von Traktoren und Maschinen belästigt. Andererseits ist diese Lage klar ein Vorteil. Der Hofladen und die Hofgastronomie profitieren von diesem Standort. Diese beiden Betriebszweige werden von Christians Eltern betrieben. Christians Schwester Denise ist verantwortlich für den Betriebszweig Pferdepension und zu 100 % auf dem Hof angestellt. 14 Auslaufboxen und Weiden für Gruppenauslauf stehen zur Verfügung. Denise Riggenbach betreut 20 Pferde, davon sind sieben Tiere die Eigenen. Neben der Betreuung erteilt Denise Reitunterricht und bildet junge Pferde aus. Zusätzlich wird durch Martin Riggenbach ein Fahrstall betrieben. Der Stall wurde flexibel und mit geringem Aufwand an der bestehenden, grosszügigen Lagerhalle / Maschinenschopf, angebaut. In diesem Gebäude befindet sich auch eine ca. 20m x 35m grosse Reithalle. Den Freibergern scheint es gut zu gefallen. Christian betont, dass die Einnahmen in der Pferdehaltung die Löhne auf dem Hof begleichen sollen. Und dann braucht es, wie unlängst bekannt, etwas Fingerspitzengefühl im Spannungsfeld Pferd / Mensch, denn an jedem Pensionspferd „hängt ein Mensch dran“.

Auf dem Flurgang haben wir von Christian erfahren, dass jedes Familienmitglied einen definierten Betriebszweig verantwortet. Die Familie setzt auf die Diversifikationsstrategie. Der Betrieb steht also solide auf mehreren Beinen. Arbeitseffizienz und Nutzung von Synergien sind am Familientisch immer wieder mal ein Thema. Christian ist als Vize-Chef zuständig für die Tiere und den Ackerbau. Der Rosegghof bewirtschaftet 47 ha arrondiertes Land. Vor sechs Jahren durften Riggenbachs das Land und die Gebäude des benachbarten Königshofs dazu pachten. Christian hat auf dem Feld also mehr als genug zu tun. Die Mithilfe der zwei Praktikanten vom HAFL und eines Lernenden ist auch bei Christian und seinem Verantwortungsbereich gefragt. Der Flurgang führte uns vorbei an Dinkel, Roggen, Mais und Kornblumen, die, soeben gesät, für s’Auge noch nicht viel hergaben 😉 Christian konstatierte, dass Parzellen mit unausgeglichenen Bodenstrukturen effektive Herausforderungen darstellen. Die Düngung ist schwierig, ebenso die Bearbeitung bei Parzellen mit wechselnd trockenen und vernässten Stellen. Dies führt auf die Tatsache zurück, dass sich der Standort des Hofes auf einer ehemaligen Gletschermoräne mit sandigen, schweren und mittelschweren Lagen befindet. Mit der Mulchsaat hat Christian seit drei Jahren Erfahrungen sammeln können. Die Saat läuft sehr gut auf. Problemunkräuter hat man im Gegenzug etwas schlechter im Griff, wenn man nicht striegeln kann. Der Blackenbesatz ist auf einigen Parzellen überdurchschnittlich. Diese Felder werden regelmässig mit dem Grubber bearbeitet. Mit dem Blackeneisen können die gelockerten Wurzeln entfernt werden. Die Kornblume, welche als Zusatz für Tee-/Salz-/Zuckermischungen angebaut wird, erfolgt als letzte Saat in der Fruchtfolge. Diese Kultur braucht sehr wenige Nährstoffe. Kornblumen gehören zur Kategorie Hochrisikokultur. Alles oder nichts ist hier die Devise. Deshalb kann man sich bei der Flächengrössen nicht zu weit hinaus lehnen J

Auf dem Weg zum Imbiss machten einige von uns noch einen Besuch bei den Mastpoulets. Ursula Riggenbach verkauft im Hofladen jährlich das Fleisch von sechs Aufzuchten à 150 Poulets. Diese werden nach 11 ½ Wochen in die Metzgerei Kopp im Emmental gebracht. Dort werden sie verkaufsbereit verarbeitet. Neben dem in Eigenregie gebauten Poulet Stall mit Auslauf befindet sich der Auslaufstall der 60 Legehennen.

Im heimelig umgebauten Oekonomieteil des alten Bauernhauses durften wir uns am feinen Buffet mit hofeigenen Produkten gütlich tun. Martin Riggenbach, der Chef der Hofgastronomie, erläuterte die Geschichte des Rosegghofes als anfänglich geführten Gutsbetrieb der benachbarten psychiatrischen Klinik. Die Geschichte der Familie Riggenbach auf dem Rosegghof begann hier aber erst im Jahre 1996. Vor 22 Jahren zog die junge Familie an den Stadtrand von Solothurn und hat seither viel bewegt. 2011 konnten Riggenbachs den Hof im Baurecht übernehmen und 2015 den Gastronomieteil samt Profiküche und Hofladen mit viel Eigenleistung realisieren. Man spürt, dass für dieses Resultat viel Energie und Begeisterung nötig war und noch immer vorhanden ist.

Wir danken Christian und der ganzen Familie für den interessanten Einblick und die Gastfreund-schaft. Wir wünschen weiterhin viel Elan und „es gfreuts Zämeschaffe“.

Im Namen des Vorstandes Bio NWCH; Marianne Jaggi


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